Der Moment der Wahrheit

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Und plötzlich ist er da, der Moment, in dem der Arbeitgeber sagt, von mir aus können wir das Arbeitsverhältnis auflösen.

Die Situation ist immer dieselbe, der Flurfunk ist schon seit Monaten aktiv, man munkelt und trotzdem verschließt man die Augen und will es nicht wahrhaben. Man redet sich ein, dass es einen schon nicht treffen wird, und überhaupt,  es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Der Vorgesetzte bittet um ein Gespräch. Es wird einem heiß und kalt, und da ist er, der Moment der Wahrheit.

„… unsere Situation im Unternehmen hat sich verändert, Digitalisierung, Outsourcing, Ihr Arbeitsplatz ist betroffen, keine Kündigung, nein, aber ein Aufhebungsvertrag, ganz und gar freiwillig, eine Abfindung …“

Kalt erwischt.

An diesem Punkt kommen Mitarbeiter oft in meine Beratung und müssen sich Gedanken über ihre eigene Situation machen. Da ist guter Rat teuer.

Natürlich nehmen wir in der Beratung diesen Anlass, um innezuhalten. Nun ist es an der Zeit, sich zu besinnen und eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Wo wollte ich eigentlich hin?

Wo stehe ich jetzt?

Will ich noch Karriere machen oder habe ich andere Prioritäten?

Ist meine Berufserfahrung marktgängig?

Oder hat mich die Technik längst abgehängt?

Wie sieht der Arbeitsmarkt für mich aus?

Habe ich gute Chancen oder muss ich mich freuen, wenn mich noch einer will?

Kann ich einfach zur Konkurrenz gehen?

Kann ich woanders das gleiche Gehalt erzielen oder mehr?

Oder wollte ich eigentlich schon immer was anderes machen?

Ist nun der Zeitpunkt dafür?

 

Fragen über Fragen.

In der vertraulichen Beratung eruieren wir alle Möglichkeiten, die der Mitarbeiter hat, und gleichen die eigenen Wünsche mit dem Arbeitsmarkt ab. Denn nur die Schnittmenge zwischen dem, was man sich für seine Zukunft wünscht und erhofft, und dem, was der Arbeitsmarkt bietet, hat eine reelle Chance, verwirklicht zu werden.

Tatsächlich ist das eine Menge Arbeit, die vor einem liegt, und muss meistens in kurzer Zeit bewältigt werden. Die Zeit wird knapp und man gerät in eine Zwickmühle. Die Zeit fehlt, um den Arbeitsmarkt genau zu analysieren, die eigenen Wünsche sind noch nicht klar zutage getreten und der Vertrag will unterschrieben werden.

Meine Erfahrung an dieser Stelle ist, die hohe Abfindung lockt, ist aber immer der schlechteste Beweggrund. Take the money and run macht nur Sinn, wenn man genau weiß, wo man hin will, und den Arbeitsmarkt kennt.

Deshalb rate ich oft an dieser Stelle, warten Sie auf die nächste Entlassungswelle, denn die kommt bestimmt, und machen Sie sich inzwischen schlau, wie ihre Aussichten wirklich sind. Vergewissern Sie sich, was Sie wirklich wollen, bekommen Sie ein Gefühl für Ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt und stürzen Sie sich nicht ins Ungewisse. Nur wer umfassend informiert ist, muss keine Angst vor der Zukunft haben und kann sich beruhigt und in aller Ruhe mit neuen Perspektiven auseinandersetzen.

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